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Eine zerlöcherte Gesellschaft

Es ist ein gewöhnlicher Arbeitstag und ich gehe einer betriebsamen Strasse entlang, die zum Grand Arcade – eine überdachte Einkaufsmeile – führt. Die Menschen strömen mir auf dem Gehsteig und später auf dem marmornen Boden entgegen. Mein Blick fällt immer wieder auf eine eigenartige Modeerscheinung, die uns diesen Sommer in England wieder heimsucht: Löcher.
Löcher in den Jeans von jungen Menschen. Ich kann ihnen verzeihen, denn junge Menschen wollen imponieren. Aber dann sehe ich auch Passanten mittleren Alters mit auffallenden Löchern. Und ich stelle mir vor, es wäre früher. Unvorstellbar, dass jemand vor vierzig, fünfzig Jahren so herumgehen würde, ohne sich in Grund und Boden zu schämen.
Natürlich sind Löcher in den Kleidern keine Neuheit. Letzten Sommer waren die Löcher auch da. Damals fielen mir vor allem Löcher in L-Form auf, die sahen aus, als hätte jemand mit einem Messer das Hosenbein aufgeschlitzt. Aber auch schon vor etwa 30 Jahren, als ich um die 12 Jahre alt war, gab…
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Fortsetzung: Wie ich katholisch geworden bin

Der erste Teil ist hier:  Wie ich katholisch geworden bin
Ich war mit unserem dritten Kind schwanger, als ich mich entschied, in die katholische Kirche einzutreten. Ich weiss noch genau den Moment, in dem ich diesen Entscheid traf. Es gab kein sensationelles Gefühl, das mich dazu antrieb. Auch überredete oder drängte mich niemand dazu – das hätte bei mir wohl eher Widerstand ausgelöst. Es gab auch kein äusseres Ereignis, das meinen Entschluss auslöste.
Ich bin damals auf dem Weg zum Einkaufen aus dem Zug ausgestiegen. Ich befand mich auf dem Perron, und machte mich auf, Richtung Laden. In diesem Moment hatte ich eine deutliche Eingabe, bei der ich mir sagte: „Ich könnte ja katholisch werden“. Damit war die Sache schon beschlossen.
Es war nicht so, dass ich frei von allen Skrupeln war oder alle Fragen schon beantwortet hatte. Aber ich war entschlossen. Ich wollte katholisch werden, und dieser Entscheid erfüllte mich mit Freude. Kurz vor der Geburt begann ich zum ersten Mal in meinem …

Wie ich katholisch geworden bin

Wann hat es angefangen? So genau kann es wohl niemand sagen ... Schliesslich ist das Werk des Heiligen Geistes nicht immer auf Anhieb sichtbar, da er „weht, wo er will“ (Joh 3,8).
Aber damit ich trotzdem irgendwo anfange, gehe ich zurück in die Zeit etwa zwei Jahre vor unserer Hochzeit.
Wir waren damals beide fern von der Kirche. Mein zukünftiger Mann, Jan, war zwar katholisch geboren, hatte aber einen Lebensstil, der sich nicht mit dem Glauben vereinbaren liess. In der Zeit nachdem wir uns kennengelernt hatten, begann er sich, durch Gottes Gnade, radikal zu bekehren.
Ich glaubte seit frühster Kindheit an Gott und betete auch gelegentlich. Ich gehörte zur reformierten Kirche aber besuchte höchstens zu Weihnachten den Gottesdienst. Das Umfeld, das mich prägte, war säkular, alternativ, reformpädagogisch und feministisch. Ich besuchte zehn Jahre lang eine Rudolf Steiner Schule. Meine Eltern waren geschieden, ich war das jüngste von fünf Kindern und wuchs grösstenteils ohne Vater auf. Me…

Warum Religion die wichtigste Bildung ist

Heute ist es, zumindest in Europa, ein Tabu über Gott zu reden. Das war aber nicht immer so. Vor zweihundert Jahren waren sich die Menschen mehr darüber bewusst, wem sie alles Leben zu verdanken haben. Sie gingen regelmässig zur Kirche; Gott war in ihren Alltag eingebunden. 
Irgendwann habe ich mal in einem alten Katechismus gelesen, dass der wichtigste Unterricht die Religion sei. C.S. Lewis, einer der berühmtesten Autoren unserer Zeit, erwähnte in seinem Buch Pardon, ich bin Christ (ursprünglicher Titel auf Englisch: Mere Christianity), dass der Glaube die wichtigste Bildung sei.
Es gibt Gläubige, die das Wort "Religion" meiden. Sie wollen nur dem Glauben, aber nicht der Religion angehören, als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun. Als würden sie mit Religion nur Schlechtes assoziieren und sich der Welt anpassen: Nur ja nichts mit Religion zu tun haben!
Dabei ist die christliche Religion nichts anderes als die Gebundenheit an Gott und seine Gesetze (die durchaus…